Eliza – Clubgründerin aus Windenberg
Elizas Playlist — Späte Stunden, weiche Kanten

Eliza

Clubgründerin & Archetyp

Geboren am 12. März 1955 in Minnesota (USA). Gibt selbst an, aus Mississippi zu stammen.

Kindheit im amerikanischen Süden; laut eigener Aussage traf sie 1967 Martin Luther King an einer Schule in Baton Rouge.

In den 1970er Jahren Umzug nach Kalifornien; kleine Rolle in dem kaum veröffentlichten Film The Black Nun.

Arbeitete in verschiedenen Bars, Diners und Hotels als Bedienung.

Unklar, wann sie nach Europa kam.

Kam Anfang der 1990er Jahre nach Windbergen, nach dem Ende einer Beziehung mit einem Mann namens Johann.

Lernte dort Gundrun kennen, mit dem sie das alte Badehaus in einen Club umgestaltete.

Die Beziehung der beiden gilt als symbiotisch und schwer zu definieren.

Sie lebt zurückgezogen, gibt wenig über sich preis und weigert sich, Namen aus ihrer Vergangenheit zu nennen.

Elizas Leben – so erzählt man es sich, mit Glitzer auf der Zunge.

Eliza Silhouette
„Vielleicht war nichts davon wahr. Aber es war alles zu schön, um es nicht zu glauben.“
— Herr Hase

Was folgt, ist keine Biografie im klassischen Sinn.

Es sind Fundstücke, Erinnerungsfetzen, Filmstills aus einem Leben, das vielleicht so nie stattfand – und doch genau so gefühlt wurde.

Ein Handschlag mit Martin Luther King, eine Nebenrolle in einem vergessenen Blaxploitation-Film, ein Servierlächeln in einem kalifornischen Diner…

Eliza hat alles erlebt, oder zumindest behauptet sie das mit einer Selbstverständlichkeit, die Zweifel sinnlos macht.

Denn was ist schon Wahrheit, wenn jemand so erzählt?

Kapitel 1

Das Geburtshaus

Irgendwo in Mississippi · 1955 (laut ihr)

Ein pastellfarbenes, leicht verwittertes Holzhaus mit Veranda. Wäsche flattert an einer Leine. Ein Hund schläft im Schatten. Die Luft flirrt. Eine Kinderschaukel aus Autoreifen schwingt langsam.

Irgendwo in Mississippi · 1955 (laut ihr)

„Ich bin geboren in einem Haus mit drei Räumen, zwei Ventilatoren und einer Mutter, die besser singen konnte als reden. Mein Vater war Krämer – kein Geschäftsmann, sondern ein Mann mit Taschen voller Münzen und Geschichten. Wir hatten wenig, aber das Wenige war sauber. Ich erinnere mich an Fliegengitter, die nach Sonne rochen, und an Butterkekse, die nur sonntags erlaubt waren. Ich wusste schon früh: Arme Leute haben Geschmack, aber keine Zeit für Dekoration.“

„Meine erste Erinnerung? Das Geräusch von Öl, das in einer Pfanne singt, und die Stimme meiner Großtante, die sagte: ‘Sie wird entweder berühmt oder verschwinden.’ Ich glaube, ich habe beides geschafft.“

Kapitel 2

Die Hand

Baton Rouge, Schulhof der „Holy Rose Elementary“ · 1967

Kinder in gebügelten Sonntagskleidern stehen in einer Reihe. Staub flirrt im Licht. Ein Mann im Anzug nähert sich. In der Mitte: ein kleines Mädchen in Gelb mit einer übergroßen Schleife im Haar. Ihre Hand ist ausgestreckt. Ihre Augen: wach, wissend, zu ruhig für ihr Alter.

Baton Rouge, Schulhof der „Holy Rose Elementary“ · 1967

„Ich war acht. Es war heiß. Meine Mutter hatte mir das Kleid aus einem alten Vorhang genäht. Gelb, mit einer Schleife, die fast so groß war wie mein Kopf.“

„Wir standen in einer Reihe. Die anderen Kinder kicherten, aber ich schwieg. Ich hatte das Gefühl, dass der Tag sich in mich einprägt wie heißes Eisen.“

„Er kam mit ruhigen Schritten. Ich sah seine Schuhe zuerst – poliert, aber müde. Dann seine Hand. Groß. Warm. Er nahm meine, und ich spürte: Jetzt gehört sie mir nicht mehr.“

„Er sagte: 'Du hast Feuer in den Augen, Mädchen.' Und dann schaute er weg. Ich glaube, er hat in diesem Moment etwas gesehen, das noch nicht da war. Vielleicht sah er mich, wie ich heute bin. Oder wie ich nie sein werde.“

„Seitdem weiß ich, dass die Zukunft leise kommt. Ohne Trommel. Ohne Ankündigung. Nur mit einem Blick und einer Hand.“

Kapitel 3

The Black Nun (1975)

· 1975

VHS-Poster: The Black Nun — weiche Tracking-Artefakte, Rauch, weiche Kanten.

“Distributed briefly by Royal Sun Pictures. Banned in Mississippi. Re-released in Italy as ‘Suor Velenosa.’”

THE BLACK NUN

She’s got grace… she’s got guns… she’s got God on speed dial.

After a series of mysterious disappearances in a Louisiana girls’ school, one woman of the cloth rises — in heels. Sister Delores Jackson, a former nightclub singer turned reluctant nun, suspects demonic infiltration… but the truth goes deeper.

Corruption, voodoo, and a secret government program collide in this psychedelic blaxploitation mystery where redemption is earned with fists, funk and fire.

Shot in 1975 on expired film stock and banned in three states, The Black Nun is a soul-fueled descent into holiness, hysteria, and hot pants.

✝️ She preaches peace. She practices karate.

1975

„Ich hab das Drehbuch in zwei Tagen bekommen. Und in einem gelesen. Ich dachte: Das ist Müll. Aber dann hab ich die letzte Szene gelesen – und sie haben mir versprochen, ich dürfte meine eigene Musik mitbringen.“

„Niemand hat den Film gesehen. Und trotzdem… haben ihn alle kopiert. Besonders diese komische Goldberg-Frau mit ihrem Chor. Ich sag nichts, aber du weißt, was ich meine.“

„Ich trug eine Nonnenkutte mit Reißverschluss. Darunter ein Bikini mit Glitzerkreuz. Ich fühlte mich endlich ernst genommen.“

Besprechung — Herr Hase

„Ob Eliza in diesem Film mitspielt? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Die Ähnlichkeit ist verblüffend, ja – aber in dieser Welt gibt es viele Gesichter, die sich ähneln, und viele Leben, die nicht gelebt wurden.“

„The Black Nun ist kein klassischer Blaxploitation-Streifen, auch wenn er sich als solcher verkleidet. Dafür fehlt ihm die Gewaltlust, der Zynismus – und das Budget. Stattdessen finden wir: Zeitlupen, Andeutungen, Kerzen, Stimmen aus dem Off. Die Kamera zittert nicht aus Aufregung, sondern aus Ehrfurcht. Es ist ein Film, der nicht schreit, sondern murmelt. Und wer nicht zuhört, verpasst die eigentliche Handlung.“

„Im Zentrum steht eine Frau im Habit, die gleichzeitig Bote, Rächerin und Medium ist. Sie trägt eine Waffe, ja – aber sie benutzt sie nur in Träumen. Die echten Kämpfe sind innerlich: Schuld, Haut, Herkunft.“

„Der Film wurde angeblich 1975 gedreht – aber es fühlt sich an, als wäre er direkt aus 1998 zu uns gesendet worden, rückwärts durch ein beschädigtes Antennenkabel. Besonders in der zweiten Hälfte verwandelt sich alles in Nebel: die Handlung, der Ton, sogar die Untertitel (falls vorhanden).“

„Für mich ist The Black Nun kein Film, sondern ein Spiegel in VHS-Form. Wer genau hinschaut, erkennt nicht nur Eliza – sondern sich selbst. In Uniform.“

🌕🌕🌕🌕⚫Unvollständig, beschädigt, großartig.
Kapitel 4

Die Kellnerin

Los Angeles · 1984 oder 1987 oder 1986 (sie erinnert sich nicht genau)

Ein low-lit Diner, spät am Abend. Neon spiegelt am Fenster. Eliza im pastellrosafarbenen Serveurinnen‑Uniform mit Kaffeetasse, hinten eine Jukebox, ein Mann mit Sonnenbrille, ein Spiegel. Alles glänzt ein bisschen zu viel. Alles riecht nach allem.

Los Angeles · 1984 oder 1987 oder 1986 (sie erinnert sich nicht genau)

„Ich habe sieben Jahre lang als Kellnerin gearbeitet. Oder fünf. Oder zehn. Ich war immer nur auf dem Sprung — vom einen Tisch zum anderen, vom einen Namen zum nächsten.“

„Ich habe berühmte Menschen bedient. Manche haben mich erkannt. Manche nicht. Ich habe nie Namen gesagt. Ich nenne keine Namen. Das gehört sich nicht.“

„Einmal hat ein Mann mir ein Armband gegeben. Ich hab’s am selben Abend verloren. Wahrscheinlich unter einer Bank. Das hat mir gefallen. Dinge, die verschwinden, bevor sie wertvoll werden.“

„Ich war müde, aber schön. Ich trug Lippenstift in der Farbe ‘Schlafmangel’. Ich kannte die besten Plätze zum Weinen in der Kühlkammer. Ich hab meine Träume auf Servietten notiert — sie wurden alle weggeworfen, aber ich erinnere mich noch an die Schrift.“

Sie wusste, wer er war – bevor er es selbst wusste

Gundrun
Weißes Schweinchen, hat sie ihn genannt. Immer leise. Fast zärtlich.

Eine Begegnung im Supermarkt

Eliza & Gundrun

Zwei Fremde, ein Gespräch

Ein zufälliges Treffen, das alles verändern wird.

Eliza sucht nach etwas.

Gundrun sucht nach sich selbst.

Der Supermarkt wird zur Bühne.

Und das Gespräch beginnt...

Klick – und höre zu.

Klicken Sie auf 'Abspielen', um das Gespräch zu beginnen...

Objekte der Beziehung

Dinge, die mehr erzählen als Worte

Zigarette mit Lippenstiftspur

1 von 5

Zigarette mit Lippenstiftspur
Elizas Perspektive

Ein Zeichen der Präsenz, kein Genussmittel. Eliza raucht nicht zur Entspannung, sondern als Regiepause – eine kontrollierte Verzögerung, eine rote Markierung auf dem Filter, wie ein versiegelter Befehl.

Die warme Übertreibung

"Ein wenig Ekel macht alles schöner"

DIE KÖNIGINNEN VON WINDENBERG

Ein unvollständiger Versuch über Tapeten, Übermaß und die würdige Übelkeit
von Herr Hase

Ich habe niemals verstanden, weshalb Menschen glauben, Schönheit müsse angenehm sein.

Vielleicht ist dies der größte Irrtum der modernen Innenräume: das Missverständnis, Harmonie bedeute Beruhigung.

In Windenberg wusste man es früher besser.

Dort durfte ein Raum zu warm sein. Zu schwer. Zu braun. Zu samtig. Zu nah.

Die Tapeten der Häuser waren keine Hintergründe. Sie waren langsame Teilnehmer des Lebens. Man lebte nicht vor ihnen, sondern mit ihnen. Das Muster drang irgendwann in den Blick ein, später sogar in den Schlaf.

Besonders in den Häusern der sogenannten Königinnen.

Ich meine damit nicht adelige Frauen. Auch keine Herrscherinnen im politischen Sinn. Die Königin von Windenberg herrscht nicht über Gesetze, sondern über Atmosphäre.

Sie verwandelt ihren Geschmack in Schwerkraft.

Die Erinnerungs-Thermoskanne
Verborgenes Detail

One tiny embossed star sticker partially covers an older removed sticker nobody remembers anymore.

object

Die Erinnerungs-Thermoskanne

A beloved vintage thermos flask standing permanently in the living room of Gundrun and Eliza. The flask is covered with embossed relief stickers collected over many years from flea markets, forgotten stationery shops and souvenir stores. Gundrun and Eliza believe the thermos became happier through the decorations.

Gundrun

"The thermos creates emotional continuity during long film evenings."

Eliza

"The flask transforms ordinary coffee into ceremony."

Symbolik

domestic theatricality transforming banality into emotional ritual

Die warme Tapete
Verborgenes Detail

In einer oberen Ecke scheint sich bei warmem lampenlicht für wenige sekunden das profil einer lächelnden frau zu bilden.

wandobjekt

Die warme Tapete

Eine schwere deutsche Wohnzimmertapete mit goldenen Ornamentlinien, die auf den ersten Blick floral wirken. Erst bei längerem Hinsehen beginnen sich in den Mustern weiche körperhafte Formen zu zeigen: Schultern, Hände, Hüften, ruhende Figuren und ineinanderfliessende Silhouetten. Niemand kann genau sagen, ob diese Figuren wirklich existieren oder nur durch Licht und Vorstellung entstehen.

Gundrun

"Die Tapete macht Gespräche langsamer und wärmer."

Eliza

"Sie glaubt, dass die Figuren im Muster abends deutlicher werden."

Symbolik

häusliche ornamentik verwandelt sich langsam in emotionale körperlichkeit

Die schwierige Bonbonschale
Verborgenes Detail

Unter den Bonbons liegt seit Jahren eine eingewickelte Praline unbekannter sorte, die niemand entfernen möchte.

wohnzimmerobjekt

Die schwierige Bonbonschale

Eine schwere Kristall-Bonbonschale voller altmodischer Pralinen und Likörschokoladen, die Gundrun und Eliza mit fast zeremonieller Ernsthaftigkeit arrangieren. Die Bonbons gelten im Haus als 'echte Geschmäcker': leicht zu süss, zu bitter, zu alkoholisch oder zu künstlich, aber gerade deshalb emotional bedeutsam.

Gundrun

"Die Schale macht schwierige Filme wärmer."

Eliza

"Bonbons dürfen leicht unangenehm sein, sonst bleiben sie nicht im Gedächtnis."

Symbolik

süsse überforderung als häusliches ritual

Die warme Weltkugel
Verborgenes Detail

Eine kleine Flasche ohne Etikett steht immer hinten links. Niemand weiss mehr genau, was sich darin befindet.

wohnzimmerobjekt

Die warme Weltkugel

Eine alte Likörglobe aus den späten siebziger Jahren, die Eliza über viele Jahre hinweg umgestaltet hat. Die ursprüngliche Weltkarte ist teilweise unter goldenen Ornamenten, violettem Lack und kleinen Sternsymbolen verschwunden. Für Gundrun und Eliza ist die Globe kein Möbelstück mehr, sondern eine emotionale Landkarte ihrer Filmabende, Gespräche und süssen Getränke.

Gundrun

"Die Globe macht den Abend grösser und langsamer."

Eliza

"Sie behandelt die Globe wie eine kleine Bühne."

Symbolik

die welt verwandelt sich in ein häusliches theater aus süsse, alkohol und erinnerung

Der milde Buddha
Verborgenes Detail

Unter dem Samtkissen liegt ein kleiner zusammengefalteter Zettel mit der Aufschrift: 'Bitte freundlich zu ihm sein.'

wohnzimmerobjekt

Der milde Buddha

Eine leicht kitschige Buddhafigur, die Eliza auf einem verregneten Flohmarkt fand, weil sie meinte, der Buddha sehe Gundrun ähnlich. Seitdem steht die Figur im Wohnzimmer wie ein stiller Hauswächter zwischen Likören, Bonbons und Lampenlicht.

Gundrun

"Der Buddha beruhigt die Stimmung des Zimmers."

Eliza

"Sie glaubt, dass die Figur Wärme speichert."

Symbolik

häusliche spiritualität ohne klare religion

Die Windenberger Zeit
Verborgenes Detail

Die Uhr geht seit Jahren exakt sieben Minuten nach. Gundrun weigert sich, dies zu korrigieren, weil er meint, dass die Wohnung dadurch freundlicher geworden sei.

wanduhr

Die Windenberger Zeit

Eine grosse deutsche Kunststoff-Wanduhr aus den späten siebziger Jahren. Für Gundrun und Eliza zeigt die Uhr keine gewöhnliche Zeit an, sondern emotionale Tageszustände aus Windenberg. Die Uhr tickt etwas zu laut und scheint das Wohnzimmer langsamer zu machen.

Gundrun

"Die Uhr beruhigt das Wohnzimmer und ordnet den Abend."

Eliza

"Sie glaubt, dass die Uhr empfindlich auf Stimmung reagiert."

Symbolik

zeit verwandelt sich von messung in emotionale ritualstruktur

Die Frau von Windenberg
Verborgenes Detail

Wenn das Abendlicht schräg auf das Gesicht fällt, scheint die Figur für einen kurzen Moment traurig zu lächeln.

wohnzimmerobjekt

Die Frau von Windenberg

Eine Marienfigur, die im Wohnzimmer von Gundrun und Eliza langsam ihre ursprüngliche religiöse Bedeutung verloren hat. Über die Jahre wurde sie in Windenberg zu etwas anderem: einer stillen Hausgöttin zwischen Trost, Theater, Müdigkeit und Wärme. Ihre Gesichtszüge erinnern seltsam an eine Mischung aus Ulrike und Almina B. – streng und weich zugleich.

Gundrun

"Die Figur macht das Wohnzimmer stiller."

Eliza

"Sie glaubt, dass die Madonna nachts das rosa Aquariumlicht beobachtet."

Symbolik

mütterlichkeit verwandelt sich in häusliche mythologie

Das rosa Aquarium
Verborgenes Detail

Einer der Stofffische enthält im Inneren ein winziges Stück alten rosa Vorhangstoff aus Zoës Zimmer.

wohnzimmerobjekt

Das rosa Aquarium

Ein kleines warm beleuchtetes Aquarium ohne echte Fische. Stattdessen schweben darin textile Stofffische, die Zoë von Hand gefertigt hat. Die Fische bestehen aus Spitze, alten Stoffresten, transparenten Garnen und kleinen Perlen. Das Aquarium wirkt gleichzeitig tröstlich, künstlich und beinahe lebendig.

Gundrun

"Das Aquarium macht die Wohnung stiller und freundlicher."

Eliza

"Sie behauptet manchmal, die Stofffische hätten eigene Stimmungen."

Symbolik

künstliches leben verwandelt sich in emotionale häuslichkeit

Die warme Königin
Verborgenes Detail

Wenn die Lampe sehr lange eingeschaltet bleibt, scheint das Wachs manchmal kurz wie ein schützender Mantel um die Königinnenfigur zu fliessen.

wohnzimmerobjekt

Die warme Königin

Eine alte Lavalampe mit violetter Flüssigkeit und langsam schwebendem orangefarbenem Wachs. Im Inneren steht eine kleine Königinnenfigur, die zwischen den Lavablasen beinahe verschwindet. Für Gundrun und Eliza wirkt die Figur wie eine stille Herrscherin über das Wohnzimmerlicht.

Gundrun

"Die Lampe beruhigt schwierige Gespräche."

Eliza

"Sie behauptet manchmal, die Königin bewege nachts leicht den kopf."

Symbolik

langsame künstliche bewegung verwandelt technik in emotionale träumerei

Der Preis der Schwarzen Nonne
Verborgenes Detail

Auf der rückseite befindet sich ein winziger verblasster aufkleber mit italienischer schrift, den niemand vollständig entziffern kann.

wohnzimmerobjekt

Der Preis der Schwarzen Nonne

Eine geheimnisvolle Filmtrophäe, die angeblich Eliza für ihre Rolle in dem halbvergessenen europäischen Film 'Black Nun' verliehen wurde. Niemand weiss genau, ob die Auszeichnung echt ist, ob der Film jemals offiziell existierte oder ob Teile der Geschichte erfunden wurden. Gerade dadurch ist der Preis in Windenberg beinahe wichtiger geworden.

Gundrun

"Für ihn beweist die Trophäe, dass Schönheit wichtiger sein kann als historische Genauigkeit."

Eliza

"Der Preis erinnert sie an ein Leben voller Rollen, Möglichkeiten und erfundener Wahrheiten."

Symbolik

kino verwandelt sich in häusliche mythologie

Rosalía
Verborgenes Detail

Unter dem Sockel klebt noch ein halb abgerissener Preisaufkleber in Peseten.

touristenfigur

Rosalía

Eine übertrieben elegante Flamencofigur mit schwarzem Haar, roten Lippen und schwerem rot-schwarzem Kleid. Für viele Menschen wäre sie bloß ein billiges Touristenobjekt. In Windenberg wurde sie langsam zu etwas anderem: eine kleine heilige Figur des Theaters, der Musik und der übertriebenen Gefühle.

Symbolik

Popkultur verwandelt sich langsam in Ritual.

Der Weinende Junge
Verborgenes Detail

Im Glas spiegelt sich manchmal undeutlich der Fernseher, sodass der Junge aussieht, als würde er eine andere Wirklichkeit beobachten.

wandbild

Der Weinende Junge

Ein großes Bild eines weinenden Jungen hängt wie ein stilles Bühnenportal im Wohnzimmer. Für Außenstehende wirkt es sentimental oder kitschig. Gundrun jedoch behauptet, der Junge weine nicht wirklich. Er spiele Traurigkeit. Gerade deshalb liebt Gundrun das Bild.

Symbolik

Emotion wird zur dekorativen Kulisse und dadurch wieder seltsam ehrlich.

Der Warme Spiegel
Verborgenes Detail

Wenn draußen Regen fällt, erscheinen die schwarzen Stellen im Spiegel manchmal wie langsam wandernde Schatten.

wandobjekt

Der Warme Spiegel

Ein ovaler Barockspiegel mit schwerem Goldrahmen. Das Glas reflektiert den Raum nie ganz richtig. Alles wirkt darin wärmer, langsamer und ein wenig weiter entfernt. Besucher bleiben oft kurz davor stehen, ohne genau zu wissen warum.

Symbolik

Der Spiegel macht aus einem gewöhnlichen Wohnzimmer eine kleine Bühne zwischen Erinnerung und Traum.

Gretha und ihre Schweine
Verborgenes Detail

Das kleine Radio zwischen den Schweinen empfängt manchmal nur Rauschen. Gundrun behauptet jedoch, darin gelegentlich Stimmen aus alten Fernsehdramen zu hören.

porzellanarrangement

Gretha und ihre Schweine

Eine seltsame, beinahe rührende Sammlung aus Porzellanschweinen und einer kleinen Hirtinnenfigur namens Gretha. Das Arrangement wirkt gleichzeitig bäuerlich, sentimental und leicht absurd. Die Schweine scheinen unterschiedliche Persönlichkeiten zu besitzen.

Symbolik

Das Gewöhnliche verwandelt sich durch Wiederholung und Liebe langsam in Mythologie.

Wohnzimmer Playlist

Das Badhuis von Windenberg

Ein Ort der Reinigung, aber nie der Unschuld.

Das Badhuis von Windenberg

Badehaus W. — Einführende Erklärung (1998)

Geschichte und Erwerb

Das Gebäude in der Wilhelmstraße 8, heute bekannt als Badehaus W., wurde ursprünglich im Jahr 1911 als kommunales Volksbadehaus eröffnet. Zu jener Zeit verfügten viele Haushalte in Windbergen noch nicht über eigene sanitäre Einrichtungen. Das Badehaus bot eine kostengünstige Alternative: einfache Zinkbadewannen, ein Dampfraum und zwei abgetrennte Waschzellen.

In den Jahren 1950 bis 1970 blieb der Betrieb aufrechterhalten, obwohl die Besucherzahlen stetig zurückgingen. 1984 wurde das Gebäude wegen veralteter Technik und asbestverdächtiger Materialien im Dachbereich geschlossen.

Eliza

„Ich wollte keine Antworten. Ich wollte nur, dass der Dampf meine Gedanken verwischt.“

— Eliza

Nach fünfzehnjährigem Leerstand wurde das Objekt im Jahr 1997 im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung an private Erwerber übergeben. Den Zuschlag erhielt ein Zusammenschluss unter Leitung einer Person namens G. R. D. — eine Figur, die seither unter dem Namen Gundrun in Erscheinung tritt.

Die Renovierungsarbeiten begannen Anfang 1998 — teilweise umgesetzt, teilweise inszeniert. Die ursprünglichen Badeeinrichtungen blieben erhalten, auch wenn die genaue Nutzung des Gebäudes unklar bleibt. Laut Handelsregister ist das Objekt als „therapeutisches Zentrum mit freizeitkultureller Komponente“ eingetragen.

„Gundrun ist nicht der Betreiber des Bades. Er ist das Bad. Er ist die Puppe, in die Eliza ihre Erinnerungen stopft – Schicht für Schicht, wie nasse Handtücher in einen Korb.“

— Dr. Konrad Freuling

Auszug aus dem unveröffentlichten Manuskript Leben oder Erinnerung?

Dr. Konrad Freuling

Der Name „Badehaus W.“ wurde aus Respekt vor der Geschichte beibehalten — auch wenn mittlerweile andere Bezeichnungen kursieren, darunter Der Tiefe Spiegel und Schaumburg.

Hinweis: Nur auf Einladung zugänglich. Enthält theoretische Texte zur Speicherfunktion von Orten, Ritualdampf und der Rolle von Begehren in der Raumwahrnehmung.

Die Bäder

Räume der Transformation, jeder mit seiner eigenen Geschichte

D.K.01 — Der Versuch

Chlorbad für Disziplin & Auflösung

Ein stilles Becken, fast immer leer.

D.K.01 – Der Versuch (Chlorbad)

In einem abgelegenen Raum des Bades befindet sich dieses kleine, rechteckige Becken mit grünlichem Wasser und chlorhaltiger Luft. Die Wände sind mit matten, türkisfarbenen Fliesen bedeckt, darüber eine schlichte Zierleiste. Drei Wandlampen spenden diffuses Licht. Ein Schild warnt trocken: „Nicht springen. Nicht slegen.“ — vermutlich ein längst verblasster Tippfehler, der nie korrigiert wurde.

Das Wasser ist kühl, nicht einladend, aber reinigend. Dieses Becken hat keinen ästhetischen Anspruch – es dient. Für manche ist das genau die Qualität, die sie suchen.

Claus kommt manchmal hierher. Nicht wegen der Wirkung des Wassers, sondern wegen der Stille. Hier ist er fast immer allein. Anders als im großen Hallenbad in Nordenhaus, wo Lärm, Körper und Blicke ihn aus seinen Gedanken holen, kann er hier verschwinden. Im Wasser — ohne Publikum.

Er schwimmt nicht. Er sitzt nur am Rand, lässt die Füße ins Wasser gleiten, manchmal mit geschlossenen Augen. Niemand fragt, warum.

Claus

„Ich mag das Wasser hier. Es riecht nach früher – nach Schwimmunterricht, nach alten Ferien. Niemand redet. Niemand schaut. Es ist, als ob das Becken mich für einen Moment vergisst.“

— Claus

leise, im Chlorbad sitzend

D.K.02 — Moorbecken ‘Die Quelle’

Volledige naam: D.K.02 — Die Quelle (Subjektiver Sumpf)

Alternatief label: Moorbad — Ursprung & Übergriff

„Hier wächst, was nicht ausgesprochen werden konnte.“

D.K.02 – Moorbecken 'Die Quelle'

Gretha im Moorsud

Gretha kommt manchmal nach einem anstrengenden Schultag hierher. Nicht oft — nur wenn sie spürt, dass der Rest des Tages nicht mehr zu retten ist. Dann steigt sie vorsichtig die rutschigen Kacheltreppen hinunter, das Handtuch fest um die Schultern geschlungen wie ein altes Versprechen.

Sie weiß, dass er manchmal hier ist.
Gundrun.
Sie weiß auch, dass er sie nicht bemerkt. Noch nicht. Vielleicht.

Aber das Wasser — dieses schwere, träge Wasser — scheint ihn zu kennen. Als hätte es Reste seiner Haut, seiner Stimmung, seiner Wut bewahrt. Wenn sie darin liegt, schließt sie die Augen. Dann atmet sie langsam durch die Nase ein, durch den Mund aus, wie sie es in einem alten französischen Film gesehen hat.

Und für einen Moment denkt sie:

„Ich bin nicht hübsch, nicht mutig, nicht klug.
Aber ich spüre. Und das ist genug.“

Das Bad riecht nach dunkler Erde und alten Entscheidungen.
Gretha bleibt, bis ihre Haut weich wird und die Gedanken zäh.

Gretha

„Ich bin nicht hübsch, nicht mutig, nicht klug. Aber ich spüre. Und das ist genug.“

— Gretha

im Moorsud, nachdenklich

D.K.03 — Dampfkammer Traum

Volledige naam: D.K.03 — Dampfkammer ‘Traum’ (Illusion & Einbildung)

„Man sieht, was man verdampft hat.“

D.K.03 – Dampfkammer Traum

Der Raum atmet.
Die Fliesen sind warm wie Haut,
die Luft ist schwer, voll Ölen,
ein bittersüßer Hauch von altem Eukalyptus,
mit einem feuchten Unterton von Torf.

Die Hitze ist nicht trocken —
sie schmiegt sich an dich wie ein stilles Urteil.

Im Dampf liegt Erinnerung,
und manchmal –
eine kaum merkliche Spur des Moors.
Der Nebel vom zweiten Bad,
der sich durch die Ritzen schleicht.

Hans, der Pastor,
sitzt hier manchmal in seiner geblümten Badehose.
Still. Aufrecht.
Aber innerlich lodert es.

Für ihn ist dies ein sakrales Schwitzen.
Ein leises Fegefeuer,
in dem Gedanken sieden und sündenlos entweichen.
Er nennt es:
„Körperliches Bußgebet.“

Eliza bringt ihm manchmal ein kleines Tellerchen mit eingelegten Oliven.
Sie bleibt an der Tür stehen.
Sie beobachtet.
Er bemerkt es nicht.

„Er schwitzt. Aber er spielt nicht.“
denkt sie,
und dreht sich um.

Ohne Verachtung.
Aber mit dem Wissen
einer Frau,
die weiß,
dass Schweiß ohne Spiel
nie Theater wird.

D.K.04 — Tauchstation Weiß Null

„Man sieht es nur, wenn man still ist.“

D.K.04 – Tauchstation Weiß Null

Anke kommt manchmal hierher.
Nicht oft, nicht lang.
Sie bleibt nie mehr als sieben Minuten.

Sie sagt, das Wasser kläre.
Aber eigentlich beobachtet sie.

Die Kälte erlaubt keine Ausflüchte.
In diesen Räumen sind die Gefühle ehrlicher, roher,
nicht geölt vom Gespräch,
nicht maskiert von Gewohnheit.

Sie sieht, wie sich etwas entblößt –
nicht der Körper, sondern das was darunter fiebert.

Anke

„Kälte ist keine Antwort. Aber sie löscht das falsche Licht.“

— Anke, murmelnd, fast ironisch

Manchmal sieht sie auch Zoë,
still, mit nassen Haaren,
ein Gesicht wie Glas unter Wasser.
Zoë sagt nichts,
aber Anke weiß:
Sie kommt hierher, um klar zu werden.
Um das Innen neu zu sortieren.
Um das Außen zu vergessen.

Anke lächelt nicht.
Badehäuser sind nichts für sie.
Zu weich. Zu lang.
Sie braucht keinen Dampf.
Nur die Sekunde des Schocks,
den einen Moment ohne Ton.

Und dann ist sie wieder weg.
Wie immer.

Zoe

Zoë – still, mit nassen Haaren

D.K.06 — Eine Begegnung zwischen Fliesen

D.K.06 – Eine Begegnung zwischen Fliesen

Claus hatte nicht damit gerechnet, sie dort zu sehen.
Die Dusche war leer gewesen, nur das Rauschen der Leitung und der Dampf, der von den Fliesen kroch.

Dann trat Olga ein.

Sie war groß, nackt, nicht verlegen – und vollkommen gegenwärtig.
Ihr Körper – weich, schwer, stolz – schien die Fliesen selbst zu verformen.
Claus, der eigentlich nicht auf Frauen sah,
konnte den Blick nicht abwenden.

Es war kein Begehren.
Es war… Ehrfurcht.
So viel Fleisch, so viel Gegenwart.
Eine Sinnlichkeit, die nichts wollte – nur war.

Olga bemerkte seinen Blick.
Ein kurzes Lächeln.
Nicht spöttisch.
Nicht einladend.
Nur wissend.

Sie schüttelte sanft den Kopf.
Ein Tropfen fiel von ihrem Ellenbogen auf die Fliese.

Claus senkte den Blick und schämte sich.
Er dachte, niemand hätte es bemerkt.
Doch Olga vergaß solche Dinge nicht.

Olga

Olga – vollkommen gegenwärtig

Claus

Claus – konnte den Blick nicht abwenden

Das Herz des Hauses

Das Kesselzimmer – Raum K

Hier spricht nichts – und doch klingt alles.

Das Herz des Hauses - Das Kesselzimmer

Das alte Kesselhaus, verborgen hinter einer dampfenden Tür, ist mehr als nur Technik.
Es ist der glühende Kern des Hauses,
ein atmender Koloss aus Gusseisen,
neben dem die neue Therme wie ein pflichtbewusster Enkel steht.

Manchmal, nachts, wenn die letzte Reinigung getan ist,
setzt sich Gundrun hierhin,
auf einen der Hocker,
und lauscht dem Knacken der Rohre
wie andere den Stimmen ihrer Vorfahren.

Die rote Lampe brennt nur bei Notfällen.
Aber sie hat auch schon gebrannt,
ohne dass etwas war.
Oder besser:
Weil etwas war,
das niemand sehen konnte.

Dr. Konrad Freuling

„Diese Lampe hier ist nichts weiter als eine vertikale Lavalampe — nur ohne Eleganz. Sie zeigt an, wenn das Nervensystem des Hauses aus dem Takt gerät. Manche Räume haben nun mal eigene Organe.“

— Dr. Konrad Freuling

Notiz aus einem alten Gespräch, 1996

Gundrun

Gundrun setzt sich manchmal nachts hierhin, auf einen der Hocker, und lauscht dem Knacken der Rohre wie andere den Stimmen ihrer Vorfahren.