Die Schwestern Stiller

Metzgerinnen · zwei Stimmen, ein Schnitt
Sie sprechen wenig mit Kunden, aber immer miteinander.
Porträt der Zwillingsschwestern Rike und Mette Stiller

„Zhâr war' mit uns, heut' im Glanzfett.“

— Rike

„Wenn die Zunge brennt, spricht Zhâr.“

— Mette

Die Schwestern Stiller betreiben seit ihrer Rückkehr aus Hamburg die Windberger Fleischerei. Sie sprechen wenig mit Kunden, aber immer miteinander. Ihre Bewegungen sind abgestimmt — nicht eingeübt, sondern eingebrannt.

In ihrem Haus riecht es nach Rauch, Teer und etwas Süßem, das niemand sieht. Sie schlafen in getrennten Betten, aber träumen synchron. Ihre Sprache — Eine geschlossene Sprache der Zwillinge — rhythmisch, irreführend und schützend. — ist nicht erfunden, sondern erwachsen. Aus Fleisch. Aus Eine unbenannte Traurigkeit, die im Raum hängen bleibt..

Man nennt sie „die Unheimlichen“. Sie selbst sagen: „Bröll ist kein Wort. Es ist ein Zustand.“ Ihre Wände hören mit. Ihre Messer auch.

„Glatz auf Fleisch. Glatz auf Haut. Kein Tropf. Kein Ritueller Zustand, meist stumm und abwehrend..“
„Wir lächeln. Aber nicht mit den Augen.“

Die Windberger Fleischerei

Die Metzgerei

„Was Fleisch war, bleibt Fleisch.

Stillerspraak

Keine Geheimsprache. Eine andere Art, die Welt zu halten.

41 Wörter verfügbar

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Messer & Märchen

Rike:
„Ich halte das Messer –
Mette:
und ich die Erinnerung.
Rike:
„Wir schneiden die Worte –
Mette:
bis sie weinen oder lachen.
Rike:
„Kein Märchen ist echt –
Mette:
wenn niemand dabei zittert.
Rike & Mette (flüsternd):
„Und trotzdem erzählen wir sie.
Immer wieder.
Immer tiefer.
Ein Stück Fleisch.

Die Märchen

Stiller: MESSEN UND MÄRCHEN

04.10.2025 – 15.01.2026
Haus der Dinge, Hamburg
„Man schneidet nicht, um zu zerstören. Man schneidet, um zu verstehen.
Eingang der fiktiven Stiller-Ausstellung

Interferenzräume: Fleischblicke im Zeitalter des Hyperrealen

Von Dr. Leona Frühabend (Institut für postvisuelle Studien, Leipzig)
„Ich sehe, also bin ich nicht allein.
(aus dem internen Zwillingsprotokoll, Windbergen 1993)

Was bedeutet es, Fleisch zu zeigen — im Museum, im Bild, im Netz? Und was bedeutet es, Fleisch zu sehen?

Die Ausstellung Stiller. Fleisch, Macht, Sprache bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Zeigen und Beobachten, zwischen Intimität und Display. Die Installation der Stillerschen Vitrinen evoziert nicht nur Erinnerungen an provinziellen Konsum und familiären Schrecken, sondern lässt sich auch als frühe, nahezu prophetische Reflexion auf die performative Macht des Blicks lesen.

In einer Zeit, in der das Private längst öffentlich geworden ist — Instagram-Stories, TikTok-Tränen, Beichtformate auf YouTube — erscheint die enge, ritualisierte Welt der Schwestern Stiller zugleich isoliert und visionär. Ihre Sprache (Stillerspraak) kennt keine Zuschauer. Ihre Schnitte wurden nie gefilmt. Ihre Märchen sind nicht dokumentiert, nur erinnert. Und doch: Wir sehen. Wir lesen. Wir stehen davor. Wer ist hier der Voyeur?

Ist es überhaupt noch möglich, eine Grenze zu ziehen zwischen Echtheit und Inszenierung? Zwischen Fleisch und Bild? Zwischen Dokument und Fantasie?

Die Ausstellung spielt bewusst mit diesen Irritationen. Die Objekte sind real, aber nicht wahr. Die Geschichten sind erfunden, aber nicht gelogen. Das Schweigen ist performativ. Die Stille ist gerahmt.

Und wir? Wir schauen. Vielleicht, um etwas zu fühlen, das nicht uns gehört. Vielleicht, um zu vergessen, dass wir längst Teil der Inszenierung sind.

Vitrine der fiktiven Stiller-Ausstellung
Ort: Haus der Dinge, Hamburg
Dauer: 04.10.2025 bis 15.01.2026
Kuratorin: Mara von Elsner
Szenografie: Janna Veldkamp
Texte & Fiktion: Gerard mit Windbergen-Bewohnern
Achtung: Diese Ausstellung ist fiktiv — alles ist wahr, aber nichts ist echt.