Ludmilla

Pflegerin und wandelnde Beobachterin
Zwischen Dienstplan, Erinnerung und fremden Blickwinkeln.
Portr\u00e4t von Ludmilla

Eine Frau, die nie lange genug dieselbe blieb

„Sie wusste, wann ihr Dienst begann. Wer sie dabei war, entschied sich oft erst im Gespräch.“

Ludmilla kam Ende der siebziger Jahre nach Windbergen.

Woher genau sie kam, blieb selbst damals unklar.

Manche meinten Hannover, andere erwähnten Bremen oder eine kleinere Stadt nahe der Grenze.

Ludmilla selbst beantwortete Fragen dazu selten direkt.

Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern eher so, als würde sie ihre eigene Vergangenheit jedes Mal leicht anders erinnern.

Für einige Jahre arbeitete sie im kleinen Krankenhaus von Windbergen.

Kollegen beschrieben sie als aufmerksam, freundlich und schwer ganz festzuhalten.

Sie bewegte sich leicht durch die langen Flure und Stationszimmer, als würde sie sich jeder Situation für einen Augenblick anpassen.

Patienten erinnerten sich später oft ungewöhnlich deutlich an sie.

Im Krankenhaus entstanden früh Geschichten über sie.

Manchmal sprach sie mit Besuchern, als kenne sie deren Familien bereits seit Jahren.

Ada widersprach den Gerüchten nie.

„Sie blieb nie lange genug dieselbe.“

Anfang der achtziger Jahre verschwand Ludmilla wieder aus Windbergen.

Wohin sie ging, blieb unklar.

Vereinzelte Menschen behaupteten noch Jahre später, sie gesehen zu haben.

Jahrzehnte später griffen die Nachtschwestern ihrer Telefonlinie die Figur Ludmilla wieder auf.

Mit der Zeit wurde auch diese neue Ludmilla wieder schwer von der Erinnerung an die alte zu trennen.

Fassung 1 von 3

Krankenhausakte

Drei Erklärungen aus der Besuchszeit. Jede Mappe hält eine Begegnung fest.

Orte, an denen sie nicht mehr ist

Drei Räume, drei Nachwirkungen. Ludmilla erscheint hier nicht im Bild.

Nachbild

Was Ludmilla in anderen kurz verschob.